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Was bitteschön ist denn "Dugnad"?

| Dirk Stegner | Norwegen-News

Wer nach Norwegen auswandert, wird früher oder später über ein Wort stolpern, das sich nur schwer ins Deutsche übersetzen lässt: Dugnad. Gemeint ist damit eine besondere Form der freiwilligen Gemeinschaftsarbeit. Ob beim Frühjahrsputz in der Nachbarschaft, beim Streichen des Vereinsheims, beim Kuchenverkauf für den Sportverein oder beim gemeinsamen Aufräumen des Spielplatzes – alle helfen mit, ohne dafür bezahlt zu werden. Dahinter steckt ein wichtiger Teil der norwegischen Kultur: die sogenannte frivillighet, also das freiwillige Engagement für die Gemeinschaft. Man packt gemeinsam an, weil man sich als Teil dieser Gemeinschaft versteht. Und ganz nebenbei entstehen dabei oft die besten Gespräche – spätestens bei einer Tasse Kaffee und einer frisch gebackenen Waffel.

Gerade für uns Einwanderer ist Dugnad eine wunderbare Gelegenheit, in Norwegen wirklich anzukommen. Denn wer neu im Land ist, merkt schnell, dass es nicht immer ganz einfach ist, Kontakte zu Norwegern zu knüpfen. Viele haben ihre festen Freundeskreise, die oft schon seit der Schulzeit bestehen. Beim Dugnad ist das plötzlich anders. Hier steht man gemeinsam mit den Nachbarn am Gartenzaun, schleppt Tische für das nächste Dorffest oder hilft beim Fußballturnier der Kinder. Man kommt ganz unkompliziert ins Gespräch, kann seine Norwegischkenntnisse ausprobieren und lernt Menschen kennen, denen man im Alltag vielleicht nie begegnet wäre. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Norwegisch schon perfekt ist. Wer mit anpackt, zeigt Interesse und gehört ein Stück weit dazu.

Natürlich ist Dugnad grundsätzlich freiwillig. Trotzdem gibt es in Norwegen durchaus eine gewisse gesellschaftliche Erwartung, dass sich jeder nach seinen Möglichkeiten beteiligt. Wer sich dauerhaft heraushält, verpasst deshalb nicht nur eine Gelegenheit, etwas Gutes zu tun, sondern möglicherweise auch ein Stück Gemeinschaft. Mein Tipp für alle, die neu in Norwegen sind: Sagt einfach mal Ja, wenn der nächste Dugnad ansteht! Ihr müsst weder besonders handwerklich begabt sein noch die Sprache perfekt beherrschen. Oft reicht es schon, ein paar Stunden Zeit mitzubringen und offen auf andere zuzugehen. Denn Integration findet nicht nur im Sprachkurs oder am Arbeitsplatz statt. Manchmal beginnt sie mit einem Besen in der Hand, einem gemeinsamen Lachen und dem guten Gefühl, zusammen etwas geschafft zu haben.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt allgemeine kulturelle Gepflogenheiten in Norwegen. Wie Dugnad organisiert und gelebt wird, kann sich je nach Region, Verein und Gemeinschaft unterscheiden.


Das gemeinschaftliche, ehrenamtliche Miteinander verbindet auf eine besondere Weite. Eine gute Gelegenheit, um sich aktiv am Gesellschaftsleben in Norwegen zu beteiligen.